Seiten: Vorherige 1 2 3 4 Nächste

Luchse im Harz

Etwa 200 Jahre nach dem der eurasische Luchs in ganz Deutschland ausgerottet wurde, ist diese größte europäische Wildkatze wieder im Harz heimisch.

Anzeige:

In den vergangenen 8 Jahren hat die Nationalparkverwaltung Harz 24 Luchse ausgewildert, jetzt ist dies nicht mehr nötig. Das Projekt hat vollen Erfolg: mindestens 44 Jungtiere wurden seither in Freiheit geboren und von ihren Müttern aufgezogen. Und der Luchs verbreitet sich sogar weiter – erste Tiere wurden im Solling, im Eichsfeld und dem benachbarten Thüringen gesichtet.

Niedersachsens Umweltminister Hans-Heinrich Sander (FDP) nannte das Projekt gestern „eine Erfolgsgeschichte“. Und Ole Anders, Luchsexperte der Nationalparkverwaltung, stand der Stolz über das Luchsprojekt ins Gesicht geschrieben. Sein besonderer Liebling ist M1. M steht für  ein männliches Tier und die Eins für den ersten Luchs im Harz, der mit einem GPS-Halsband ausgestattet wurde und jetzt dem Luchsexperten erlaubt, dem Tier immer auf der Spur zu bleiben. Seit März diesen Jahres trägt M1 das Sendehalsband. Fachleute sind verblüfft, weil er durch eine Region von bis zu 200 Quadratkilometern streift.

Die Rehe in den Deustchen Wäldern müssen nun erst wieder dazulernen, denn in den vergangenen 200 Jahren fehlte dieser natürlicher Feind. Rehe sind die wichtigste Nahrungsquelle der Luchse. Ein ausgewachsener Luchs mit einem Gewicht von 20 bis 25 Kilogramm reißt pro Woche etwa ein Tier. Den Rehbestand aber gefährdet das nicht. Zum Vergleich: Allein im Landkreis Goslar schießen die Jäger jährlich etwa 2500 Tiere.

Die Jägerschaft ist am Aussiedlungsprojekt Luchs seit dem ersten Tag aktiv beteiligt. Jäger melden alle Beobachtungen über die Wildkatze an die Nationalparkverwaltung. Zwischenfälle mit Menschen sind bisher nicht bekannt geworden, Hundebesitzern wird aber empfohlen, ihre Tiere im Harz an der Leine zu führen. Im Haus der Natur in Bad Harzburg gibt es eine Luchs-Ausstellung, vier Kilometer weiter im Schaugehege Rabenklippe leben vier Luchse.

Quelle: abendblatt.de
Anzeige:

Teilen:

Deutschland gilt von nun an als Tollwutfrei

Drei Jahre nach dem letzten Tollwut-Fall bei Wildtieren in Hessen und Baden-Württemberg werden die gefährdeten Gebiete aufgehoben, Deutschland ist von nun an tollwutfrei.

Der hessische Umweltminister Wilhelm Dietzel teilte gestern mit, dass  Wildtiere nicht mehr geimpft werden müssen. In Hessen war der letzte Tollwutfall am 27. Juli 2005 festgestellt worden. Die konsequente Impfstrategie habe sich bewährt. Auch künftig sollen aber Füchse und andere Wildtiere auf Tollwut untersucht werden. Haustiere sollten weiterhin gegen Tollwut geimpft werden

Zwischen Dezember 2004 und Februar 2005 waren im Land neun Tollwutfälle bei Wildtieren festgestellt worden, danach keiner mehr. Im Herbst 2007 wurden in Baden-Württemberg zum letzten Mal Impfköder für Füchse ausgelegt. Die Wildtiere sind Hauptüberträger der Infektionskrankheit, die bei Mensch und Tier tödlich verlaufen kann.

Die unheilbare Tollwut wird meist von Tieren auf Menschen übertragen. In Europa ist das Virus in manchen Regionen noch unter Wildtieren wie Füchsen verbreitet, in den Tropen sind öfter auch Haustiere befallen.

Weltweit gibt es nach Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation jährlich 40.000 bis 70.000 Todesfälle nach Tollwut-Infektionen. Schwerpunkte sind Afrika und Asien.

Quelle: swr.de
Anzeige:

Teilen:

Tasmanische Teufel überlisten Krebs

Lange stand es schlecht um den Tasmanischen Teufel. Eine gefährliche Form von Gesichtskrebs reduzierte den Bestand um 90 % und setzte das Tier sogar auf die Rote Liste.
Der Tasmanische Teufel gehört heute aber nicht mehr zu den gefährdeten, sondern zu den bedrohten Arten.
Denn neuerdings scheinen die „Teufel“ ihren Lebenswandel an diese Bedrohung anzupassen – sie schlagen dem Krebs ein evolutionäres Schnippchen.

Und so sehen Forscher die Situation inzwischen vorsichtig optimistisch. Die Australier haben fünf Beutelteufel-Populationen untersucht und ihre Beobachtungen in „Proceedings of the National Academy of Science“ (PNAS) veröffentlicht. Sie stellten fest, dass die Tiere sich neuerdings früher paaren: Während weibliche Beutelteufel in der Vergangenheit frühestens mit etwa zwei Jahren Nachwuchs bekamen, werfen inzwischen schon einjährige Tiere zum ersten Mal. Damit stellen die Teufel sicher, dass sie überhaupt dazu kommen, Nachwuchs zu zeugen – denn wer sich einmal angesteckt hat, stirbt innerhalb weniger Monate an den Wucherungen im Gesicht.

Was soeben auf der Insel vor Australien geschieht, ist Evolution zum Anfassen und Zuschauen. „Soweit wir wissen, ist das der erste bekannte Fall, in dem eine ansteckende Krankheit Säugetiere dazu bringt, sich frühzeitig zu vermehren“, schreiben die Forscher um Menna Jones von der Universität von Tasmanien.
Eigentlich ist schon die Krankheit, die den Bestand der Tiere bedroht, ein Rätsel: Die „Devil Facial Tumor Disease“ (DFTD) ist eine ansteckende Form von Krebs. Die Gesichtstumore entstehen nicht zufällig, und sie werden auch nicht von geheimnisvollen Viren verursacht. Ansteckend sind die Krebszellen selbst – sie werden durch Bisse von Tier zu Tier übertragen. Jones und ihre Kollegen nennen es eine „ungünstige Fügung von fehlender genetischer Vielfalt und aggressivem Paarungsverhalten“.

Mit anderen Worten: Die Tasmanischen Teufel sind schon zu lange unter sich. Darunter leidet die Vielfalt der Gene für die Immunabwehr, die eigentlich fremdes Gewebe und wuchernde Zellen vernichten soll. Weil aber so viele Teufel dasselbe Immunsystem haben, sind sie auch für dieselben Krankheiten anfällig. Weil die Tiere sich in der Paarungszeit außerdem häufig raufen und beißen, stecken sie sich ständig gegenseitig mit den Krebszellen an.
Wendet nun ausgerechnet der Krebs alles zum Guten? „Wir glauben, dass der Krebs einen neuen, stark selektiven Faktor für die Veränderung des Lebenszyklus darstellt, der zu einer Population führen kann, die genetisch und demografisch robuster ist“, schreiben die Forscher. Anders ausgedrückt, sehen sie die Entwicklung vorsichtig optimistisch. Der Genpool der Tasmanischen Teufel ist zwar klein, aber nicht völlig einheitlich – die Evolution hat noch ein wenig Spielraum. Doch noch sind die letzten großen Raubbeutler nicht außer Gefahr: „Obwohl die Fähigkeit, auf frühe Vermehrung umzusteigen, den Teufeln eine Möglichkeit zum Überleben bietet, bleibt die Prognose unsicher.“

Quelle: Welt.de

Schwester von Braunbär Bruno ertrunken

Die Braunbärengeschwister haben einfach kein Glück, nach dem sowohl Bruno (JJ1) und dessen Bruder (JJ3) erschossen werden mussten, ist nun auch für Brunos Schwester vorbei. Die 2 jährige Bärin ertrank im Malfeinsee in Südtirol.

Das ca. 90 kg schwere Tier habe bei Trient im Müll eines Hotels nach Essensresten gesucht, als Wildhüter ihr eine Betäubungsspritze versetzten. Ziel war es, dem Tier ein Halsband samt Sender zu verpassen, um es besser überwachen zu können. Die Bärin flüchtete jedoch nach dem Einstich in Richtung See. Wahrscheinlich sei sie betäubt in den See gefallen, berichtete die Zeitung „La Repubblica“. Wenig später fanden die Wildhüter das ertrunkene Tier unweit des Ufers. Es sei wahrscheinlich, dass die Bärin eine Schwester „Brunos“ gewesen sei.

Quelle: Welt.de

Bundesstraße lahmgelegt durch Schnecken-Schleim

Eine Massenwanderung von Weinbergschnecken hat auf der B 14 in Stuttgart in eine Schleimspur hinterlassen. Die Polizei sperrte die Straße wegen akuter Unfallgefahr ab. Hunderte der Tiere verwandelten die Strasse in eine Rutschbahn.

Die Tiere suchten sich für ihre Wanderung ausgerechnet die B 14 im Stadtteil Vaihingen aus. Nach Polizeiangaben verursachten sie dort in einer Kurve auf einer Länge von rund 70 Metern „erhebliche Rutschgefahr“.

Die Straße wurde deshalb vorübergehend gesperrt. Mitarbeiter des Tiernotdienstes konnten rund 500 Schnecken unversehrt aufsammeln. Nach einer Reinigung des glitschigen Straßenbelags durch die Feuerwehr war die Bahn wieder frei.

 

Quelle: rp-online.de

Gen des Tasmanischen Tigers zum Leben erweckt

Ein Gen des schon ausgestorbenen Tasmanischen Tigers ist in eine Maus integriert und zum Leben erweckt worden. Sie produziert mit Hilfe dieser Erbanlage nun Knorpel und Knochengewebe.Damit werde erstmals das Gen eines ausgestorbenen Tieres in einem lebenden abgelesen, berichteten Forscher im Online-Fachjournal «PLoS ONE». Die DNA-Proben isolierten die Wissenschaftler der Universitäten von Texas und Melbourne aus konservierten Tieren, die vor etwa 100 Jahren lebten.

Der letzte nachgewiesene Tasmanische Tiger (Thylacinus cynocephalus), der auch Beutelwolf oder -tiger genannt wird, starb 1936 in einem Zoo. Seitdem gab es immer wieder Hinweise auf vereinzelt doch noch in Australien lebende Exemplare, die aber nie bewiesen werden konnten. Das fleischfressende Tier ähnelte einem großen Hund und hatte Querstreifen am hinteren Teil des Körpers.

«Da mehr und mehr Arten aussterben, verlieren wir auch immer mehr Wissen über die Funktion und das Potenzial von Genen», sagte Studienleiter Andrew Pask von der Abteilung für Zoologie der Universität Melbourne. «Bisher konnten wir nur Gensequenzen ausgestorbener Tiere untersuchen.» Die neue Studie gehe einen Schritt weiter und untersuche «eine ausgestorbene Genfunktion in einem ganzen Organismus». Dies könnte die Biomedizin voranbringen und zum besseren Verständnis der Biologie ausgestorbener Tiere beitragen.

Quelle: Welt.de

Schnabeltier – Erbgut entschlüsselt

Das Schnabeltier ist eines der kuriosesten Tiere der Welt. Teils Säugetier, teils Vogel und teils Reptil. Mit dem Erbgut des Schnabeltieres hat ein internationales Forschernetz nun den Bauplan dieses Säugetiers entziffert.

Das Schnabltier kann hervorragend schnuppern, elektrisch orten, sich mit Gift wehren, Eier legen und zudem ohne Zitzen durch die Bauchdecke säugen. Bei der Studie zeigte sich die seltsame Mischung verschiedener Tierklassen bereits in den Genen. Die Daten haben die Wissenschaftler am Donnerstag veröffentlicht. Sie schließen damit eine wichtige Lücke im Verständnis der Evolution der Säugetiere.

Das Schnabeltier (Ornithorhynchus anatinus), wird als Säuger klassifiziert und gehört zur kleinen Ordnung der Kloakentiere. Es hat ein Fell wie viele Säugetiere und seine Jungen werden mit Milch ernährt. Aber es zeigt auch Eigenarten von Vögeln und Reptilien sowie einige einzigartige Eigenschaften: So ist sein Schnabel mit einem komplizierten Elektrosensor-System ausgerüstet, damit es – mit geschlossenen Augen, Ohren und Nüstern tauchend – unter Wasser seine Beute orten kann.

Männliche Schnabeltiere haben an ihren Hinterläufen Fortsätze, aus denen sie im Notfall wie Reptilien Gift ausstoßen können.

„Einzigartig am Schnabeltier ist die Tatsache, dass es eine breite Überschneidung zweier sehr unterschiedlicher Klassifikationen bewahrt hat, während spätere Säugetiere sämtliche Eigenarten von Reptilien verloren haben“.

erläutert Wes Warren, Genetik-Professor und Leiter des Projekts. Das Schnabeltier hat sich bereits vor rund 166 Millionen Jahren von den primitiven Säugervorfahren abgespalten und ist damit das vom Menschen am weitesten entfernte Säugetier.

Die Forscherteams verglichen das Erbgut des Schnabeltieres mit denen von Mensch, Maus, Hund, Stinktier und Huhn. Danach teilt das Schnabeltier zu über 80 Prozent die Gene anderer Säuger. Bei der Suche nach genetischen Gemeinsamkeiten mit den Reptilien entdeckten die Teams, dass es ähnliche Verdoppelungen in bestimmten, für Giftproduktion verantwortlichen Gensequenzen gab. Faszinierender Weise hatten diese sich bei Schnabeltieren und Reptilien jedoch völlig unabhängig voneinander entwickelt. Überrascht waren die Forscher auch über den Fund ausgeprägter Geruchs-Rezeptor-Gene. Ähnliche Gene finden sich etwa bei Hunden, so dass die Forscher nun vermuten, dass auch das Schnabeltier sehr geruchsempfindlich ist und sogar unter Wasser riechen kann.

Es hat 18 500 Gene, ähnlich wie andere Wirbeltiere, und stolze 52 Chromosomen, darunter ungewöhnlich viele Sexualchromosomen, nämlich zehn.
Der Direktor des National Human Genome Research Institutes in Bethesda, Maryland, Francis Collins unterstreicht die Bedeutung der Ergebnisse: „Auf den ersten Blick wirkt das Schnabeltier wie ein Unfall der Evolution. Aber so verrückt das Tier auch aussieht, seine Genom-Sequenz ist unbezahlbar für das Verständnis von biologischen Prozessen der Säugetier-Evolution.“

Quelle: FAZ.net

Hände weg von jungen Wildtieren!

Es ist Wurfzeit für Wildtiere im Wald und in der Stadt. Überall zeigen sich junge Füchse und Rehe. Wildhüter warnen: auf keinen Fall anfassen oder gar mitnehmen! Auch wenn die Tiere oft hilflos wirken, ist es doch meistens nicht so. Oft ist die Mutter nicht weit von ihrem Nachwuchs entfernt und kehrt bald zurück.

Knut und Flocke beeinflussen das Tierleben in der Stadt: Seit die Bilder der jungen Eisbären um die Welt gingen, habe das Aufpäppeln von jungen Wildtieren in Zürich spürbar zugenommen.

„Die Leute wissen nicht, wie sie mit den Tieren vor ihrer Haustür umzugehen haben, sie verhätscheln sie, das ist ihr sicherer Tod – und unser Frust.“ sagt Wildhüter Stefan Dräyer

Häufig werden Füchslein bei Tierärzten abgegeben, weil die Leute sie mit Kätzchen oder Hundewelpen verwechselten, nach Hause trügen und mit ihnen dann nicht fertig würden.

Was viele offensichtlich nicht wissen: Nach dem Kontakt mit dem Menschen verstossen die Elterntiere ihre Jungen. Diese sind aber auf Muttermilch angewiesen, werden heimatlos und verhungern, sie haben keine Überlebenschance. Die Wildhüter müssen die geschwächten Tiere abschiessen. Auch Enten und andere Vögel erleiden häufig das gleiche Schicksal. Nach erfolgloser Aufzucht landen sie in der Voliere am Mythenquai und können auch dort nicht mehr gerettet werden.

Quelle: tagesanzeiger.ch

Das grösste Auge der Welt – Untersuchung eines Riesen-Kalmars

Mit einem Durchschnitt von 27 Zentimetern hat ein gefangener Riesen-Kalmar nach Angaben neuseeländischer Biologen die größten Augen von allen Lebewesen der Welt.

Die Forscher, die den Giganten aus den Meerestiefen vor der Antarktis untersuchen, erklärten am Mittwoch nach dem Auftauen der Kreatur, es handele sich um das «einzig intakte Auge» eines Riesen-Kalmars, das je gefunden wurde. «Es ist spektakulär», sagte Kat Bolstad von der Universität Auckland.
Neuseeländischen Fischern war das fast 500 Kilogramm schwere und acht Meter lange Tier im vergangenen Jahr ins Netz gegangen. Es ist das schwerste jemals gefangene Exemplar. Der Kalmar, der bis zu 2.000 Meter tief tauchen kann, wollte einen Seehecht verspeisen, den die Fischer gerade am Haken hatten. Nach seinem Fang wurde der Riese tiefgefroren und ins Nationalmuseum nach Wellington gebracht.
Bei dem Tier handelt es sich um einen Koloss-Kalmar (Mesonychoteuthis hamiltoni). Vermutlich sei das Tier ein Weibchen, doch ganz sicher seien sich die Forscher noch nicht, sagte Bolstad.

Quelle: pr-inside.com

Siebenschläfer: Nachwuchs nur in produktionsreichen Jahren der Futterbäume

siebenschlafer.jpg„Die fetten Jahre sind vorbei“, dachte sich der Siebenschläfer und stellte die Fortpflanzung ein. So könnte eine vermenschlichte Geschichte über die kleinen heimischen Nager enden. Auch wenn Siebenschläfer so nicht denken, reagieren sie doch signifikant auf „fette“ und „dürre“ Jahre ihrer Futterbäume Buche und Eiche. Das ist aber nichts besonderes, denn viele Tierarten passen ihren Lebensrhythmus an vorhandenes Futter an. So können beispielsweise Nagetiere, aber auch Wildschweine in Jahren mit reichlichem Nahrungsangebot mehr Junge großziehen. Das Außergewöhnliche ist, dass Siebenschläfer ihren Lebensrhythmus an fette und dürre Ernte anpassen, lange bevor die Fruchtproduktion der Bäume abgeschlossen ist. Das Wiener Institut für Wildtierbiologie untersucht, wie Siebenschläfer buchstäblich „in die Zukunft sehen“ können.

„Es scheint so. Denn Siebenschläfer wissen im Frühjahr, ob im Herbst genug Futter zur Aufzucht der Jungen da sein wird“

, erklärt Thomas Ruf vom Institut für Wildtierkunde und Ökologie (FIWI) der Veterinärmedizinischen Uni Wien. Die Wissenschaftler vermuten hinter diesem Phänomen natürlich keine hellseherische Fähigkeiten, sondern ahnen, dass die Tiere eben auf frühe Anzeichen der Umwelt reagieren, die uns verborgen bleiben. So könnte es sein, dass die Tiere schon am Pollenflug von Buche und Eiche erkennen, wie viele Blüten geöffnet sind. Pollendetektoren der Tiere sind bisher jedoch nicht bekannt. Die Dissertantin Karin Lebl testete eine andere Theorie: Ist das Nahrungsangebot im Frühjahr ausschlaggebend für die Entscheidung, in Fortpflanzung zu investieren?

Frühjahrsfutter bestimmt Fortpflanzung

In der Natur wäre dies plausibel. Als frühe Nahrungsquelle dienen Blütenknospen und junge Früchte der Buchen und Eichen: Je mehr Knospen die Tiere finden, umso wahrscheinlicher ist es, dass eine große Zahl von Bucheckern und Eicheln genau dann reif sein wird, wenn die Jungen zur Welt kommen. „Kein anderer Winterschläfer gebärt so spät im Jahr – erst im August“, meint Claudia Bieber, die seit 15 Jahren an Siebenschläfern forscht. Nicht zufällig ist im August die Reifezeit der Bucheckern und Eicheln, deren hoher Fett- und Proteingehalt die perfekte „Power-Nahrung“ zur Aufzucht der Jungen ist. In den Experimenten von Karin Lebl wurde der Einfluss der Nahrung auf den Fortpflanzungserfolg der Siebenschläfer im selben Jahr gemessen, indem wertvolle Nahrung (Sonnenblumenkerne) zugefüttert wurde.

„Tiere, denen im Frühjahr mit Zusatzfutter ein ,fettes Jahr‘ vorgegaukelt wurde, pflanzten sich verstärkt im Herbst fort“. Es war nicht etwa der Energiegehalt des Futters oder das Körpergewicht ausschlaggebend, sondern allein die Anwesenheit von Futter war das Signal, das die Fortpflanzung auslöste. Damit war die Hypothese bestätigt, dass die Vorhersehbarkeit der herbstlichen Fortpflanzung vom Frühjahrsfutter bestimmt wird.

Wer sich im Tierreich auf Buchen und Eichen als Nahrungsgrundlage verlässt, lebt ein unregelmäßiges Leben. Diese Bäume produzieren ihre Früchte mit großer Unvorhersehbarkeit – eine Strategie gegen Fraßfeinde. In einzelnen Jahren, den Vollmastjahren, tragen alle Buchen Früchte. Der ökologische Sinn steckt in der Überproduktion: So viele Bucheckern können die Räuber gar nicht fressen, dass nicht reichlich Samen zur Baumvermehrung übrig bleiben. In „intermediären“ Jahren trägt manche Buche Früchte, manch andere nicht. So können sich Fraßfeinde nie darauf einstellen, ob im Herbst genug Nahrung da sein wird. „Die Vollmastjahre treten in unregelmäßigen Abständen alle drei bis 15 Jahre auf“, erklärt Ruf. Dies sind die Jahre, in denen Siebenschläfer ihren Nachwuchs produzieren. Je länger die Tiere auf ein Vollmastjahr warten müssen, umso älter werden sie auch, bis zu zwölf Jahre – viel älter als andere Tiere dieser Größenordnung. Siebenschläfer sterben erst, wenn sie ihren Reproduktionserfolg geschafft haben.

Rekordverdächtige Datenbasis

Die Wartezeit auf ein Fortpflanzungsjahr ist ebenso ungewöhnlich wie die lange Zeit, die Siebenschläfer im Winterschlaf verbringen. „Mit durchschnittlich acht Monaten halten sie den Weltrekord der Hibernation“, meint Bieber. Rekordverdächtig ist zudem die Datenbasis, die den Wissenschaftlern zur Verfügung steht: Schon seit 1984 führt der Niederösterreicher Franz Schieferdecker Buch über das Vorkommen von Siebenschläfern in den 200 Nistkästen, die er aus privatem Interesse an der Vogelwelt im Wienerwald rund um St. Corona am Schöpfl anbrachte. Während andere Ornithologen Siebenschläfer, die sich in den Vogelnistkästen breit machen, erschlagen, dienen Schieferdeckers Aufzeichnungen über nistende Siebenschläfer nun der wissenschaftlichen Langzeitstudie.

Quelle: diepresse.com