E. C. bei Kaninchen

Torticollis, Headtilt, Schiefhals, E. cuniculi. Vier Bezeichnungen, eine Krankheit: E. C.

E. C. steht für Encephalitozoon cuniculi. Dabei handelt es sich um einen lebenden parasitischen Einzeller, der vor allem das zentrale Nervensystem der Tiere – wie Gehirn und Rückenmark – angreift. Auch andere Organe, insbesondere die Niere, aber auch Leber, Lunge und Augen können befallen werden. Die Krankheit ist unter Kaninchen weit verbreitet und schränkt die Lebensqualität eines erkrankten Tieres stark ein. Zu sehen, wie das erkrankte Tier leidet, ist besonders für den Kaninchenhalter schwer zu ertragen.

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70 % bis 80 % der Kaninchen tragen den Erreger in sich. Doch nicht bei jedem Kaninchen kommt es zum Ausbruch. Die Umstände, die zum Krankheitsausbruch führen, sind noch nicht vollständig erkundet. Hitze, großer Stress sowie schlechte Lebensumstände fördern jedoch den Ausbruch.

Die Verbreitung der Parasiten findet durch den ausgeschiedenen Urin und Kot der Tiere statt. Über die Nase und infiziertes Futter nimmt das nächste Tier die Parasiten oral auf. Die Parasiten gelangen anschließend in die Blutbahn, vermehren sich dort und greifen verschiedenste Organe an. Außerdem kann die Krankheit direkt vom Muttertier auf ungeborene Jungtiere übertragen werden.

Die Erreger können auf andere Tierarten wie Hund, Maus oder Schwein übertragen werden, weswegen diese entfernt vom erkrankten Tier gehalten werden sollten. Für einen gesunden Menschen besteht an sich keine Gefahr der Ansteckung, lediglich bei geschwächten Personen und Kleinkindern kann eine Ansteckung auftreten.

Es können viele verschiedene und zum Teil schwer erkennbare Symptome auftreten. So können z. B. leichte Orientierungsstörungen für den Kaninchenhalter kaum ersichtlich sein. Das weit verbreitete Anzeichen ist eine Kopfschiefhaltung, die jedoch nicht in jedem Krankheitsverlauf auftritt. Ebenso können Gleichgewicht und Motorik stark beeinträchtigt sein. So kann es sein, dass das Kaninchen einfach umkippt, sich überschlägt oder im Kreis dreht. Weitere Auffälligkeiten können Lähmungserscheinungen an Vorder- und Hinterläufen, apathisches und alleiniges Dasitzen, Verdauungsprobleme, Nahrungsaufnahmeverweigerung, Gewichtsverlust, Durchfall, Leber- oder Nierenversagen, Inkontinenz und getrübte Augen sein. Auch Wachstumsstörungen bei Jungtieren sind keine Seltenheit. Die Symptome können unterschiedlich stark und in den verschiedensten Variationen auftreten.

Leider ist E. C. weder heilbar, noch gibt es eine vorbeugende Impfung. Deswegen sollte beim kleinsten Verdacht auf diese Krankheit sofort ein kaninchenerfahrener Tierarzt aufgesucht werden, um die Chance auf eine erfolgreiche Behandlung zu erhöhen. Denn um weitere und vor allem schlimmere Folgen zu vermeiden, ist eine sofortige Behandlung dringend erforderlich. Der Krankheitsverlauf verläuft von Kaninchen zu Kaninchen unterschiedlich stark und schnell. So kann es durchaus vorkommen, dass ein anscheinend fast fertig behandeltes Kaninchen einen starken Rückfall erleidet. Die Behandlung der Krankheit kann Wochen bis Monate andauern.

In der Regel wird nach aktuellem Stand zu folgenden Medikamenten für eine erfolgreiche Behandlung geraten:

Panacur – dabei handelt es sich um ein Wurmmittel, das die Parasiten bekämpft und das wichtigste Medikament darstellt. Es wird ca. 21 – 28 Tage lang oral verabreicht.

Gehirngängiges Antibiotikum – zum Beispiel Chloramphenicol oder Tetracycline. Es dient zur Vermeidung weiterer Infektionen, die durch das geschwächte Immunsystem auftreten können.

Hochdosiertes Vitamin B – stärkt bzw. regeneriert das angegriffene Nervensystem und hindert den Erreger daran, dieses weiter zu schädigen.

Kortison – hemmt Entzündungen. Kortison sollte allerdings nur gering dosiert und nur in Verbindung mit Antibiotika verabreicht werden, da es das Immunsystem schwächt.

Die Art, Dauer und Dosierung der Medikamente muss unbedingt mit einem kaninchenerfahrenen Tierarzt abgesprochen werden. Es können je nach Schwere der Krankheit weitere Medikamente, wie eine Kochsalzinfusion (bei Gefahr der Nierenschädigung) oder Schmerz- und Beruhigungsmittel verabreicht werden. Zudem kann es sein, dass das Tier stark abnimmt. In diesem Fall ist eine künstliche Nahrungszufuhr unabdingbar.

Selbst nach erfolgreichem Besiegen der Krankheit können bleibende „Schäden“, wie beispielsweise ein schiefer Kopf oder eine eingeschränkte Bewegungsfreiheit, bleiben. Ebenso kann das behandelte Tier wieder rückfällig werden.

Die Partnertiere sollten mitbehandelt werden, denn ob ein Partnertier ebenfalls erkrankt ist, kann nie mit 100 %iger Sicherheit gesagt werden. Durch einen sogenannten Titertest kann die Menge an Antikörpern im Blut bestimmt werden. Sind Erreger feststellbar, muss das Tier jedoch noch lange nicht daran erkranken. Jedoch ist die Wahrscheinlichkeit einer Erkrankung umso größer, je höher der Titer ist. Ein erkranktes Tier aus einer großen Gruppe sollte getrennt werden und nur mit dem Kaninchen zusammenbleiben, mit dem es sich am besten versteht. Bei Zweier- bis Dreiergruppen ist eine Trennung nicht empfehlenswert, außer das erkrankte Tier wird von seinen Artgenossen bedrängt. Die Einsamkeit belastet das Tier zusätzlich.

Ist das Kaninchen an E. C. erkrankt, muss jeglicher Stress vermieden werden. Artgerechte Haltung trägt positiv zum dauerhaften Bekämpfen der Krankheit bei. Da die Krankheit meist mit Seh- oder Fortbewegungsbeeinträchtigung verbunden ist, sollte das Gehege klein (ca. 2 m²) sein und in einer ruhigen und wenn möglich dunklen Ecke stehen. Gehegeelemente, wie scharfe Kanten an Häusern oder Toiletten, sollten abgepolstert werden, damit sich das Tier nicht verletzten kann. Das Gehege sollte nicht verändert werden. Bei sehr akutem Krankheitsbefall, wie kein eigenständiges Sitzen, sollte ein Korb oder eine Box komplett ausgepolstert werden.

Leider zählt E. C. zu den schlimmsten Krankheiten bei Kaninchen. Auch im Tierforum liest man immer häufiger davon. Den betroffenen Kaninchenbesitzern sei einfach nur gesagt, den Mut nicht zu verlieren und für ihr Tier zu kämpfen, auch wenn es zeitweise noch so schwer erscheint. Selbst wenn nach scheinbaren Fortschritten ein Rückfall eintritt – Gebt nicht auf! Kämpfen lohnt sich immer.

Artikel von Susi G. aus „TierZeit“ Ausgabe 1 http://www.tierforum.de/tierzeit/

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1 Kommentar zu diesem Beitrag.

  1. Ursula's Gravatar

    Autor: Ursula | Datum: 10. Mai 2013 um 12:10

    Das Kaninchen meiner Tochter hatte vor kurzem eine Operation und hat sie an sich gut überstanden! Doch leider hatte es die Zeit nach der Operation einen sehr geringen Appetit und es hätte, um wieder zu Kräften zu kommen, mehr essen müssen. Auf Grund dessen klickte ich mich durchs Internet und entdeckte http://www.vets4petz.nl. Ein Glück, denn dort fand ich Fibreplex Kaninchen und Nagetiere von Protexin, was uns half das Kaninchen wieder aufzupeppeln. Ich kann den Shop nur empfehlen, denn er bietet viel nützliche Medizin für Ihre Tiere!

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